China: Chinesische Mauer

Von Peking aus machen wir einen Ausflug zur Chinesischen Mauer. Wir entschließen uns für einen Teil, der noch ursprünglich sein soll, und nicht so touristisch. 

Mit unserem Zelt und Proviant für zwei Tage im Gepäck, starten wir los. Mit einem öffentlichen Bus fahren wir ca. zwei Stunden, wir sitzen eingepfercht zwischen Menschen und unseren Rucksäcken. Eine junge Frau neben uns bietet uns Mandarinen an.

Danach müssen wir umsteigen und fahren nochmal eine Stunde. In einem winzigen Dorf kommen wir an. Das Dorf wirkt wie ausgestorben, nur am großen Eingangstor sitzt eine Frau und verlangt Eintritt. Wir bekommen eine selbstgezeichnete Skizze von der Route zur Mauer, sie soll uns durch das Dorf und dann über verschiedene Wege und einen Hügel zu unserem Ziel führen. Wir haben vor, auf der Mauer zu campen und die Nacht dort in unserem Zelt zu verbringen. Eigentlich ist das verboten, aber angeblich wird es nicht so oft kontrolliert. Und es soll wunderschön sein.

Wir spazieren durch das menschenleere Dorf und verlaufen uns recht schnell. Die gezeichnete Wegbeschreibung passt irgendwie nicht mit dem tatsächlichen Weg überein, oder wir sind einfach unfähig. Wir gehen trotzdem weiter, irgendwann werden wir schon ein Stück Mauer entdecken. Nach einiger Zeit gelangen wir zu einem weiteren Tor, und die Schilder dort zeigen uns die Richtung zur Mauer an! So falsch können wir also doch nicht sein (nur, dass wir schon ein ganzes Stück länger unterwegs sind, als die Frau am Eingang uns prognostiziert hat…). Der Weg ist sehr steil und anstrengend, mit noch ungewissem Ausgang. Aber schließlich, als wir um eine Kurve biegen, sehen wir sie dann endlich in der Ferne auftauchen: die Chinesische Mauer, wunderschön und verwachsen mit Grünpflanzen, inmitten von Wald und Natur.

Chinesische Mauer

Als wir uns den restlichen Aufstieg hochgekämpft haben, staunen wir erstmal über die atemberaubende Aussicht. Es hat sich definitiv gelohnt!

 

Endlich oben!

Ein paar andere Besucher*innen genießen gerade noch die letzten Sonnenuntergangsminuten, machen sich aber schon bald auf den Weg zurück. Jetzt hört man nur mehr die Geräusche von Insekten und Wind. Wir spazieren noch ein bisschen auf der Mauer herum, kochen uns dann mit unserem Campingkocher Wasser und nehmen unser einfaches Abendessen zu uns.

Wandern auf der Mauer
Abendessen zubereiten

In einem alten Wachturm schlagen wir unser Zelt auf. Bis auf die Gesellschaft von gruselig und irgendwie faszinierend aussehenden Würmern, Tausenfüßern und anderem Krabbelgetier sind wir ganz alleine. Es wird eine ruhige Nacht.

Wachturm
unser Zeltplatz
Ausblick
Tausendfüßer

Am nächsten Morgen ist Jakob schon früh wach und kocht Kaffee. Ich schlafe wie immer noch ein bisschen länger, werde aber bald von Stimmen geweckt. Eine davon gehört Jakob, die andere ist eine Computerstimme, und die dritte klingt nach einem sehr erbosten, chinesisch sprechenden Mann.

Ich höre immer wieder: „Sorry, sorry!“, dann die Computerstimme, die etwas auf chinesisch übersetzt, dann wieder die wütende Stimme des Mannes. Ich mache das, was ich in so einer Situation am besten kann: ich stelle mich schlafend. Endlich ist der Fremde weg, und ich werde von Jakob über die Situation aufgeklärt. Der Mann ist der Aufseher dieses Teils der Mauer, und wir müssen schnellstmöglich diesen Ort verlassen, da das, was wir hier machen, streng verboten sei. Nichtmal unseren Kaffee dürfen wir noch trinken. Also bauen wir hastig alles ab und verlassen unseren Schlafplatz. Aus einiger Entfernung werden wir von dem Wachmann beobachtet.

Am Weg zurück kommen wir an einem kleinen unscheinbaren Lokal vorbei, und unsere leeren Mägen treiben uns hinein. Dort wird uns ganz unverhofft ein unglaublich gutes Frühstück serviert. Wir bekommen Reiskuchen, Reissuppe, hartgekochte Eier, verschiedene Saucen und eingelegtes Gemüse, dazu Tee. Viel besser als unser Essen, das wir uns selbst zubereitet hätten. Es hatte dann also auch noch sein Gutes, dass wir so früh verjagt wurden.

am Weg zurück
Frühstück

Vergnügt und gestärkt treten wir den Rückweg an und kommen am späten Nachmittag wieder in unserem Hostel in Peking an.

(Hier geht’s zurück zum Beitrag über Peking)

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