China: Peking

Wir steigen aus dem Zug und sehen…Menschen. Und Überwachungskameras. Unglaublich viele, überall.

Wären wir nicht gerade aus der Mongolei (dem am dünnsten besiedelten Land der Welt) ins bevölkerungsreichste Land gekommen, würde uns das wahrscheinlich nicht ganz so extrem vorkommen. Es fühlt sich jedenfalls ziemlich befremdlich an. Man muss sich überall anstellen, und alle Leute drängen sich vor. In sämtlichen U-Bahn-Stationen werden (Hand-)Taschen und Rucksäcke der Passagiere durchleuchtet. WhatsApp, Facebook, Netflix, Google und viele andere Apps und Internetdienste sind von der Regierung verboten und funktionieren somit nicht. Man fühlt sich ständig überwacht und kontrolliert. Die Polizei (egal ob als Mensch oder als niedlich aussehender Polizeiroboter) ist allgegenwärtig.

Kameras in alle Richtungen
Menschenschlange vor der U-Bahn

Das alles (und noch einiges mehr) ist anfangs sehr ungewohnt für uns. Aber irgendwann bemerke ich die Kameras nicht mehr, gebe ganz automatisch meinen Rucksack zur Kontrolle ab und lerne, mich (fast) so gut vorzudrängeln wie die Einheimischen. Die Internet-Zensur umgehen wir, wie viele andere Einheimische auch, mit einem VPN-Dienst. Und Peking hat auch so viel Schönes und Beeindruckendes zu bieten!

Zum Beispiel: das Essen. In China hat Essen einen sehr hohen Stellenwert, und es gibt eine Begrüßung, die übersetzt so viel heißt wie: „Hast du schon gegessen?“ Sehr sympathisch, wie ich finde. Mein chinesisches Lieblingswort lautet übrigens mi fan (gekochter Reis). Wir verlieben uns schnell in eine Köstlichkeit, die es in Peking gefühlt an jeder Ecke zu kaufen gibt: gefüllte gedämpfte Teigtaschen (Baozi). Es gibt stets zumindest eine vegetarische Variante, sie werden immer frisch zubereitet und mit verschiedenen Dips serviert. Außerdem essen wir die klassischen chinesischen Gerichte wie Gemüse und/ oder Tofu in Sauce oder frittiert, gebratene Nudeln und natürlich Reis. Es schmeckt immer anders und immer lecker! Als Alternative zu Reis gibt es oft Reiskuchen (hat aber nichts mit Kuchen zu tun, sondern ist eher wie Brot, nur aus Reis). Zum Frühstück bekommen wir in unserer Unterkunft Nudelsuppe mit Spiegelei, Gurke und Sojasauce. Herrlich!

Getrunken wird in China hauptsächlich Tee. Das lustigste (und durchaus schmackhafte) Getränk, das uns unterkommt, ist Milchtee mit Pudding. Pudding!!

Baozi
voller Wanst  nach einer köstlichen Mahlzeit
Jakob genießt seinen Milchtee mit Pudding
Frühstückssuppe

Die Menschen erleben wir als großteils sehr hilfsbereit und freundlich. Wenn sie miteinander reden, wirkt es auf mich oft so, als würden sie sich heftig streiten. Oder als würden sie zumindest sehr unfreundlich miteinander umgehen. Das liegt aber nur am Klang der chinesischen Sprache, die sich irgendwie sehr „hart“ anhört. Englisch versteht hier kaum jemand, wir verständigen uns mit (dem hier eigentlich verbotenen) Google Translate oder Zeichensprache. Und natürlich helfen uns Jakobs Chinesisch-Kenntnisse auch ein bisschen weiter.

Im Hunderassen-Beliebtheitsranking der lokalen Bevölkerung gewinnt ganz klar der Pudel. Noch öfter als Pudel sieht man nur Pudel-Mischlinge. Manche sind hübsch eingekleidet und/ oder werden im Kinderwagen herumgefahren, andere sind ziemlich verwahrlost und leben auf der Straße.

Peking ist eine moderne Stadt, in der noch viele traditionelle chinesische Bauwerke erhalten sind (oder erneuert wurden), hat aber auch westliche Züge. Viele Stadtviertel bestehen ausschließlich aus gigantischen Wohntürmen, einer neben dem anderen, und alle sehen sie gleich aus. Als hätte man sie wie am PC kopiert und nebeneinander eingefügt. Man fühlt sich hier ein bisschen wie eine Ameise.

Bezahlen kann man überall bargeldlos mit dem Smartphone über die App WeChat, die in China so gut wie jede Person installiert hat. Sie vereint außerdem die Funktionen von Facebook, Instagram und WhatsApp und kann noch sehr viel mehr. Dafür liest die Regierung natürlich mit. Wenn man beim Fortgehen jemanden kennen lernt, werden nicht mehr die Handynummern, sondern die WeChat – Accounts ausgetauscht.

Der Verkehr ist von elektrischen Motorrollern und Fahrrädern geprägt und längst nicht so laut und stinkend, wie wir erwartet haben (hektisch und verwirrend aber schon). Smog ist leider trotzdem ein Problem, aber die ersten Tage haben wir Glück und sehen den ganzen Tag die Sonne. Viele Menschen tragen Atemschutzmasken (manche wegen der schlechten Luft, manche weil sie krank sind und andere nicht anstecken wollen). Das U-Bahn Netz ist gut ausgebaut (die Stationen liegen aber teilweise sehr weit auseinander), die Züge sind modern und sauber. Auch die öffentlichen Toiletten (großteils Hocktoiletten) sind überraschend sauber, wenn man bedenkt, wie viele Menschen sie tagtäglich benutzen. Einzig die Tatsache, dass viele Frauen die Toilettentür nicht abschließen oder sogar weit offen stehen lassen (während der Benutzung) ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Oft lassen sich die Türen auch gar nicht verschließen.

Beim Essen wird geschmatzt, geschlürft, mit vollem Mund wild durcheinander geredet und sogar währenddessen geraucht. Das empfinden wir aber alles nicht als störend, und man gewöhnt sich sehr schnell daran. Eigentlich ist es sogar sehr angenehm, beim Essen nicht auf irgendwelche Tischmanieren zu achten, sondern einfach drauf los zu schlemmen und ein kleines Schlachtfeld hinterlassen zu dürfen 😁. Aber was uns wirklich nervt, ist die Tatsache, dass man in China nirgends Taschentücher kaufen kann. Da Schnäuzen als unhöflich gilt, gibt es für die Einheimischen nämlich keine Verwendung dafür. Hier ist lautstarkes Hochziehen durch die Nase angesagt.

wir wagen uns per Fahrrad in den Verkehr (1x und nie wieder!)
Atemschutzmasken-Automat

An Sehenswürdigkeiten besuchen wir:

  • die Verbotene Stadt (wir gehen fast unter in der unglaublichen Masse der – hauptsächlich asiatischen – Tourist*innen, aber das Areal ist sehr groß und weitläufig und definitiv den Besuch wert)
  • das Bild von Mao Zedong am Tian’anmen Platz (wieder zusammen mit unendlich vielen anderen Menschen, aber die Abendstimmung dort ist magisch und die vielen Menschen gehören irgendwie dazu)
  • Pekings Kunstviertel (wirkt mit den vielen Souvenirshops nicht mehr sehr authentisch, aber wir können uns immerhin ein paar gratis Ausstellungen ansehen)
  • Hutongs (das sind rund um die Verbotene Stadt gebaute Wohngebiete in traditionell chinesischem Stil mit sehr engen Gassen, oft sieht man die Bewohner*innen vor ihren Häusern sitzen und plaudern)
  • eine Shoppingcenter-Straße (Hier reihen sich zahlreiche Shoppingcenter aneinander!!)
  • die Chinesische Mauer (etwas außerhalb von Peking)  Darüber gibt es hier einen eigenen Blogbeitrag!
Verbotene Stadt
Pause in der Verbotenen Stadt
einiges los am Tian’anmen Platz
Bild von Mao Zedong
Hutong

In einem Hochhaus irgendwo im Nirgendwo Pekings befindet sich das Central Perk, das Café aus der Fernsehserie Friends. Natürlich nicht das echte, aber eine ziemlich gute Kopie! Den ganzen Tag kann man sich dort bei einer Tasse Kaffee eine Folge Friends nach der anderen ansehen. Für sowas sind wir immer zu haben!

Central Perk
Central Perk von innen

Nach nur einer Woche geht es für uns schon wieder weiter. Mit einem supermodernen Hochgeschwindigkeitszug, der bis zu 380km/h erreichen kann, fahren wir von Peking in die gemütliche Küstenstadt Qingdao.

riesige Wartehalle am Bahnhof
Schlange vorm Check-In Schalter
Jakob und unser Zug
wir im Zug
am Weg kommen wir an vielen Wohnsiedlungen vorbei
Wohnsiedlung & Kräne

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