Russland: Irkutsk, Olchon, Baikalsee

Irkutsk

Irkutsk liegt ca. 70km vom Baikalsee entfernt, dem größten und tiefsten Süßwassersee der Welt.  Sehr viel mehr als die Nähe zu diesem außergewöhnlichen See hat die Stadt, in der über eine halbe Million Menschen leben, für uns aber nicht zu bieten.  Der Mix aus Sowjetbauten und alten Holzhäusern hat zwar durchaus seinen Reiz, die Stadt wirkt insgesamt aber eher heruntergekommen.

Irkutsk
Holzhaus in Irkutsk

Wir kehren in ein Themenrestaurant ein, das so eingerichtet ist, als wäre man in einem Flugzeug. Die Kellnerinnen sind als Stewardessen verkleidet. Uns wurde nicht zu viel versprochen: das Essen schmeckt wie im Flugzeug.

Flugzeugrestaurant

Später pilgern wir zu einem Outdoorshop, um Gaskartuschen für unseren Campingkocher zu kaufen. Am Abend organisieren wir uns für den nächsten Tag einen Transport nach Olchon, einer Insel im Baikalsee. Wir sind voller Vorfreude und gehen früh schlafen.

Olchon

Frühmorgens werden wir vor unserem Hostel von einem Minibus abgeholt. Mit uns sind noch drei chinesische Touristinnen, ihre riesigen Hartschalenkoffer, ein alter Mann sowie eine junge Frau und ihr Kind im Bus.
Unser erster Stopp nach ca. 30 Minuten Fahrt führt uns auf einen Parkplatz, um eine Stunde auf weitere Fahrgäste zu warten, die aber dann doch nicht auftauchen. Endlich fahren wir los, ich muss jetzt schon aufs WC, und die holprige Fahrt dauert weitere sechs Stunden (mit einer Pinkel- und Jausenpause).

Ein kleines Stück des Weges legen wir mit der Fähre zurück, dann müssen wir noch einmal in den Minibus, und endlich sind wir am Ziel: Khuzhir, ein winziger (und der größte dort befindliche) Ort auf Olchon. Hauptstächlich besteht Khuzhir aus lieblos aneinadergereihten Holzhäusern, um die vielen Tourist*innen unterzubringen. Auch wir beziehen ein solches Haus.

Wir nehmen ein schnelles Abendessen ein und trinken ein Bier mit idyllischem Blick auf den Baikalsee bei Sonnenuntergang.

idyllischer Blick auf den See

Danach lernen wir Rene kennen, von dem wir uns für die Zeit auf Olchon ein zusätzliches Zelt leihen (da wir nicht zu dritt in unserem Zweipersonenzelt schlafen können). Er ist enorm hilfsbereit, gibt uns Tipps für unsere Wanderroute und nimmt sich viel Zeit, unsere zahlreichen Fragen zu beantworten. Es fühlt sich nun so an, als hätten wir einen Plan!

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Da wir ans Ende der Insel gelangen möchten, um dort unsere Wanderung zu beginnen, nehmen wir am nächsten Tag an einer überteuerten Touri-Tour teil, deren Route uns genau dorthin bringen soll.

Die Fahrt mit dem russischen Jeep gestaltet sich holprig und abenteuerlich (inkl. Reifenwechsel), die Stopps an den sehenswürdigen Orten sind eher nervig. Als Highlight der Tour entpuppt sich die leckere Fischsuppe, die wir als Mittagessen serviert bekommen.

russischer Jeep (und unser darunterliegender Fahrer beim Reifenwechseln)
einer der sehenswürdigen Orte
unser Jeep ist nicht der einzige…
auch an entlegenen Orten darf Eis nicht fehlen

Nahe der Nordspitze verlassen Jakob und Nici mich und die anderen Teilenhmenden und machen sich zu Fuß auf den Weg nach Uzury, einem kleinen Dorf an der Ostküste Olchons. Da ich die letzten Tagen verkühlt war, entscheide ich mich dafür, mich mit dem Jeep nach Uzury bringen zu lassen (die Tour führt ohnehin dort vorbei), und mich erst morgen dem Wanderspaß hinzugeben. Dort angekommen, setze ich mich auf einen kleinen Hügel, blicke auf den wunderschönen See und schließe einen Hund ins Herz, der mir beim Warten auf Jakob und Nici Gesellschaft leistet.

Blick vom Hügel auf Uzury

Nach ungefähr zwei Stunden sind die beiden angekommen. Jakob hat ganze drei Blasen an den Füßen. In Hanglage errichten wir unsere Zelte und bereiten unseren Buchweizen zu.

Zelte in Hanglage
Jakob beim Kochen

Unsere Wasservorräte füllen wir mit Seewasser auf, das wir mit Chlortabletten desinfizieren und den Chlorgeschmack mit Antichlortabletten neutralisieren. Es schmeckt…gewöhnungsbedürftig. Im Wasser schwimmen Stückchen von kleinen Wasserlebewesen und Algen, wir filtern es mit Teesäckchen (da wir leider keinen Wasserfilter dabeihaben), was ganz gut funktioniert.
Genährt und müde ziehen wir uns zurück.

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Am Nächsten Morgen kocht Jakob schon früh Kaffee, wir wollen zeitig aufbrechen, da Regen angesagt ist.

Bis wir unsere Zelte abgebaut und alles wieder in unsere Rucksäcke verstaut haben, dauert es aber noch eine ganze Weile. Als wir aufbrechen, nieselt es bereits ein wenig, was uns aber nicht weiter stört.

Unsere Wanderung führt uns durch eine wunderschöne Landschaft über Wiesen, Hügel, weite Ebenen und Wälder.

Wanderspaß

Unser angestrebtes Ziel für heute finden wir nicht, also müssen wir weiter, zum nächsten kleinen Dorf. Wir sind erschöpft und hungrig, also machen wir in einem kleinen Wald eine Pause, kochen Wasser und essen die besten Fertigsuppen der Welt.

Pause im Wald

Wir marschieren weiter, bald regnet es stärker. Schon leicht erschöpft erreichen wir das winzige Dorf, wo wir in einem halb abgerissenen Haus Schutz vor dem Regen suchen.

halb abgerissenes Haus
unsere Rucksäcke im Trockenen

Während Nici und ich im Trockenen bei unseren Rucksäcken bleiben, erkundet Jakob das Dorf auf der Suche nach Einheimischen, um sie um Trinkwasser zu bitten, da unsere Vorräte fast aufgebraucht sind und der See aufgrund des Wetters zu unruhig ist, um uns als Wasserspender zu dienen. Schließlich meint das Schicksal es viel besser mit uns, als wir es uns erträumt hätten: Jakob trifft auf einen freundlichen alten Russen, der uns für die Nacht eine Unterkunft anbietet! Jakob sagt sofort zu und wir beziehen die warme Hütte, die sogar mit Holzofen und einer kleinen Kochnische ausgestattet ist.

vor unserer Unterkunft
Unterkunft in rustikal-russischem Flair

Wir kochen Tee aus Seewasser, das in einer Tonne vor der Hütte bereitsteht, genießen die Wärme des Holzfeuers und können zufriedener nicht sein.
Jakob hat zwei neue Blasen am Zehenballen.

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Am nächsten Tag ist der Regen vorbei und wir machen uns wieder auf den Weg. Nach wenigen Stunden erreichen wir einen wunderschönen Platz am Seeufer. Wir entscheiden uns für Gemütlichkeit und gegen das Weiterwandern. Also beschließen wir, hier die Nacht zu verbringen.

Seeufer
unser Zeltplatz
cooking time

Leider müssen wir morgen die Insel schon wieder verlassen. Dank unserem Hang zur Gemütlichkeit sind wir nun aber zu weit von Khuzhir (und unserem Bus, der uns wieder nach Irkutsk bringen soll) entfernt, um noch rechtzeitig zur Fuß dorthin zu gelangen. Zum Glück finden wir auf einem Hügel unweit unserers Zeltplatzes Handy-Empfang und können unseren Unterkunftgeber der ersten Nacht kontaktieren. Nach etwa zwei Stunden auf besagtem Hügel und zahlreichen Kurznachrichten glauben wir, verstanden zu haben, dass er uns für morgen einen Transport organisieren wird.

Die Nacht ist klar, wir blicken auf einen atemberaubenden Sternenhimmel. Ich sehe beim Pinkeln im Freien drei Sternschnuppen.

***

Am nächsten Vormittag machen wir uns zu unserem vereinbarten Treffpunkt auf, der ca. eine halbe Stunde Fußmarsch von unserem Zeltplatz entfernt liegt. Tatsächlich werden wir dort, wie Tags zuvor umständlich vereinbart, abgeholt und wieder nach Khuzhir gebracht. Wenig später sitzen wir im Bus Richtung Irkutsk, von wo aus unsere Zugreise weitergeht.

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