Drei Mal von Riga nach Moskau bitte!

Reisen auf Russisch für Anfänger

Wir sind spät dran, die meisten Abteile sind bereits bezogen, als wir uns rucksackbehangen zu unseren Liegen durchkämpfen. Um uns herum Familien mit Kindern, zahlreiche ältere Frauen und einzelne Männer. Touristen sehen wir keine. Gesprochen wird fast nur Russisch.

Schließlich finden wir unsere Plätze. Umständlich verstauen wir unser Gepäck. Geschafft! Wir machen es uns gemütlich und tauchen langsam ein in eine Welt, in der das Reisen in Nachtzügen etwas Alltägliches zu sein scheint.

Es dauert nicht lange, und die ersten Klischees bewahrheiten sich: säuberlich in Kleid und Hemd gekleidete Mitfahrende kommen aus der Toilette/Umkleide addidasbestreift oder leopardengemustert zurück. «Hauptsache gemütlich» lautet der Dresscode im Zug. Mit unserem Outdoorzeug fallen wir zweifelsfrei auf. WIR sind hier die Eigenartigen.

Auch betreffend Picknickfähigkeiten sind uns die russischen Fahrgäste weit voraus. Haben wir vor Abfahrt noch weitgehend plan- und wahllos Supermarktware zusammengekauft, sehen wir unsere Nachbarn penibel verpackte Köstlichkeiten hervorzaubern.

Der Schaffner bringt Tassen mit köstlich heißem russischen Tee. Gerne nehmen wir an.

köstlicher Tee
die Landschaft, eintönig aber schön

Mit russischen Grenzbeamten ist nicht zu spaßen

Als wir, theoretisch bereits auf russischem Boden, für die Grenzkontrollen halten, macht sich eine beklemmende Nervosität breit. Gespräche werden zu einem Flüstern, verstummen dann ganz. Unsere Sitznachbarin ist besorgt ob unserer Registrierung.

Schließlich bekommen wir Besuch der Beamten. Das Heer aus Zoll, Polizei und Militär verhält sich korrekt, die Autorität ist aber allgegenwärtig. Man fühlt sich ein wenig wie ein gesuchter Schwerverbrecher, zeigt mit stets beschleunigtem Puls wieder und wieder den Pass vor, bis sich schlussendlich der erlösende Einreisestempel in all unseren Pässen befindet.
Wir haben es geschafft: Wir sind in Russland!

alles brav vorbereitet

Zeit um zu feiern oder gar anzustoßen bleibt nicht. In kürzester Zeit verwandelt sich der Waggon in einen Schlafsaal, das Licht wird gedimmt. Schlafenszeit. Auffällig umständlich bereiten wir unsere Bettstatt vor.

Schließlich haben auch wir es geschafft und treten unsere wohlverdiente Nachtruhe an.

Zum Frühstück gibt es wieder Tee. Draußen die moskauer Vorstadt. Wird uns Moskau wohlgesonnen sein?

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