Ulaanbaatar – Peking

Auf einmal ist es kalt in Ulaanbaatar. Am Vortag war es noch Sommer, jetzt ist es plötzlich fünfzehn Grad kälter, in der Nacht hat es nur mehr ein paar Grad über Null.

Drinnen ist es gemütlich. Wir beobachten, wie draußen die Bäume vom Wind in alle Richtungen gebogen werden. Immer wieder Regenschauer. Es ist genau der richtige und gleichzeitig genau der falsche Zeitpunkt, die Mongolei zu verlassen. Wir packen unsere Sachen.

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Im Zug angekommen, landen wir in einem Abteil nur für uns. Eine fast eigene Toilette, eine extra Sitzgelegenheit und eine Thermoskanne sollen uns den Aufenthalt erstklassig gestalten.

unser Abteil, sogar mit Thermoskanne

Die Betten müssen wir trotzdem selbst beziehen. Später brennt unsere Kabine fast ab. Da es stark nach verbranntem Plastik riecht, beschließen wir, die Schaffnerin zu informieren. Die ist jedoch gerade mit irgendeiner anderen Angelegenheit beschäftigt, von der sie sich zunächst nicht abhalten lässt. Mittlerweile raucht es auch schon ein bisschen. Wir weisen die Schaffnerin nochmals eindringlich darauf hin und geben ihr zu verstehen, dass sie jetzt mitkommen soll. Endlich begutachtet sie unseren Schlafplatz. Sie wirkt alarmiert, wuselt im Abteil herum und versucht, den Teppichboden unter der Heizung aufzuklappen, denn er hat Wellen geschlagen und ist so zu nahe an das Heizgerät geraten. Dann verschwindet sie. Nach langem Warten unsererseits kommt sie wieder, hinter ihr drei Kolleginnen und Kollegen, und alle zwängen sie sich in unser Abteil.

Zugpersonal in unserer Kabine

Schließlich schaffen sie es, die Heizung auszuschalten und den Teppichboden so umzuklappen, dass er die Heizung nicht mehr berührt. Einiges ist bereits geschmolzen. Aber wir sind endlich wieder in Sicherheit. Der Plastikgestank bleibt jedoch die gesamte Fahrt bestehen, und die Heizung wird uns dank dieser grandiosen Fehlkonstruktion auch nicht mehr eingeschaltet…

Heizung & Teppichboden, teilweise schon geschmolzen

Nach dieser Aufregung wird erst einmal gerastet.

ein Schläfchen

Später werfen wir noch einen Blick in den Speisewagen. Dort lernen wir einen älteren Mann aus Deutschland kennen, der uns erzählt, dass er bald nach Österreich fährt, um dort als Hundesitter zu arbeiten. Er möchte ein Foto von uns beim Karten spielen machen.

Karten spielen im Speisewagen

Die Landschaft ist eintönig und grandios gleichzeitig, die Schienen führen quer durch die Wüste. Gelegentlich sieht man Kamelherden.

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Spätabends erreichen wir die chinesische Grenze. Die Einreiseprozedur ist etwas merkwürdig gestaltet. Alle Fahrgäste müssen mit dem gesamten Gepäck aussteigen und sich in Zweierreihe am Bahnsteig aufstellen. Dazu erklingt eine chinesische Interpretation von Sound of Silence in Instrumentalversion aus den Lautsprechern. Die Absurdität der Situation wird durch die auffällige Neonbeleuchtung der Konturen des Bahnhofs noch verstärkt. Ist man erstmal in der Bahnhofshalle angelangt, verläuft alles so, wie man es auch von der Sicherheitskontrolle am Flughafen kennt. Die chinesischen Grenzbeamten schauen zwar streng aus, sind aber eigentlich ganz nett. Dann ist endlich der Stempel im Pass. Noch ist aber nicht alles überstanden, denn jetzt heißt es warten. Nach etwas über drei Stunden dürfen wir endlich wieder zurück in den Zug. Todmüde fallen wir in unsere Betten. Wenn wir morgen aufwachen, sind wir schon fast in Peking!

Zähne putzen am nächsten Morgen und schon fast in Peking

 

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