Mongolei: Wüste Gobi

Wir starten unsere zehntägige Tour durch die Wüste Gobi an einem regnerischen Morgen. 

Wir sind gut vorbereitet: wir haben unser Zelt, dicke Schlafsäcke, Campingkocher und andere nützliche Ausrüstungsgegenstände dabei, außerdem fünf große Einkaufssäcke mit Lebensmittel, um uns die kommenden Tage selbst versorgen zu können. Vor unserer Unterkunft in Ulaanbaatar werden wir von Boldo abgeholt, einem freundlichen Einheimischen mit guten Englischkenntnissen, der für die kommenden zehn Tage unser Fahrer und Tourguide sein wird.

Boldo
Boldo
wir in Boldos Auto

Es wird eine lange Fahrt auf großteils unbefestigten Straßen. Nachdem wir uns durch den morgendlichen Stau Ulaanbaatars gekämpft haben, sehen wir bald nur mehr endlose Weiten. Boldo fährt stets sehr sicher und vorsichtig (hauptsächlich deshalb, weil er ständig Angst um sein Auto hat…). Stundenlang fahren wir geradeaus, quer durch die mongolische Steppe. Wir können nicht aufhören, aus dem Fenster zu sehen und die Gegend zu bewundern.

endlose Weiten

Immer wieder kommen wir an Schaf-, Ziegen-, Kuh oder Pferdeherden vorbei. Ansonsten ist weit und breit nichts als Landschaft zu sehen.

Kuhherde
Pferdeherde

Zu Mittag machen wir eine Rast, irgendwo im Nirgendwo. Boldo platziert seinen Gaskocher auf dem Beifahrersitz, da es draußen zum Kochen zu windig ist. Er erhitzt Wasser, um seine Fertignudeln zuzubereiten – wir begnügen uns mit Snacks. Anschließend reinigt Boldo unsere Fußmatten mit einem kleinen Besen (dies wird er bei fast jeder längeren Pause machen, da er sehr reinheitsliebend ist).

Nach einigen weiteren Stunden Fahrt hat es aufgehört zu regnen. Die Wüste werden wir erst morgen erreichen, unser heutiges Ziel befindet sich im Herzen der mongolischen Steppe: Baga Gazariin Ulun (von Boldo auch die “mongolischen Rockey Mountains“ genannt).
Als wir dort ankommen, können wir kaum glauben, dass nach ewig flachen Gebieten plötztlich Felsen auftauchen.

Baga Gazariin Ulun

Felsen

Wir begeben uns auf eine kleine Wanderung, um die Gegend zu erkunden. Nach der langen Fahrt tut es unglaublich gut, die Beine zu bewegen. Wir wandern zu den Ruinen eines alten buddhistischen Klosters und steigen die dahinterliegenden Felsen hinauf. Kleine und große Steinhaufen vermitteln das Gefühl von Ruhe und Entspannung.

Wanderung
Wanderung

Wanderung

buddhistische Steinhaufen
Steinhaufen

Wir beobachten den Sonnenuntergang und machen uns dann auf den Weg zurück.
Heute übernachten wir in einem Ger, da es in der Nacht wieder regnen und sehr kalt werden soll. Ein Ger, die mongolische Jurte und traditionelle Behausung der nomadischen Bevölkerung, besteht aus einem Holzgerüst mit einer darüberliegenden Schicht aus Wollfilz. Als Boden dient meist ein Kunststoffteppich in Holzoptik; eine kleine Holztür, die immer nach Süden ausgerichtet ist, ist ebenfalls vorhanden. In der Mitte der Hütte steht ein Holzkohleofen, der zum Kochen und Heizen dient.

Ger

Boldo erzählt uns, dass ein Ger innerhalb einer Stunde abgebaut werden kann, wenn die Familie weiterziehen will. Transportiert wird es mithilfe von Kamelen oder Pferden. Manche Familien besitzen mehrere solcher Gers, die sie dann z.B. als Tourist*innenenunterkünfte vermieten (so wie es auch bei unserer der Fall ist). Ausgestattet mit nichts als vier Betten und einem Ofen fühlt man sich in solch einer Hütte wie in einer Höhle, es ist dunkel und gemütlich. Wir packen unseren Campingkocher aus und kochen Gemüsesuppe. Bei Boldo gibt es wieder Fertignudeln. Er schläft in seinem Auto.

Kochen im Ger
Zähneputzen

***

Am nächsten Tag ist es endlich so weit: wir erreichen die Wüste!

Wir bemerken es zuerst gar nicht, da die Vegetation der Wüste sehr ähnlich wie die der Steppe aussieht: flach und grün. Boldo klärt uns auf: da es in den Monaten zuvor ungewöhnlich viel geregnet hat, ist die Wüste gerade so grün wie nie. Als wir bei einer kurzen Rast aussteigen, riecht es überall nach einer Mischung aus Schnittlauch und Knoblauch. Die Wüste ist voll von diesem sogenannten „wilden Schnittlauch“, und er schmeckt köstlich!

Schnittlauchwüste
Schnittlauchbrot
Kamele im Schnittlauchmeer
es gibt aber auch sehr trockene Stellen mit kaum Vegetation

Am frühen Abend erreichen wir unser heutiges Ziel: Tsagaan Suvraga („weiße Stupa“), eine Felsformation aus Kalkstein. Vor vielen Jahren lag diese Landschaft unter dem Meeresspiegel, und die farbigen Schichten mit ihren zahlreichen Brauntönen zeigen die verschiedenen Zeitabschnitte an. Wir versuchen, den atemberaubenden Anblick mit der Kamera festzuhalten. Es gelingt uns aber nicht im Entferntesten.

Tsagaan Suvraga

Als wir später einen geeigneten Platz für unser Zelt suchen, schlägt Boldo vor, in der Nähe eines Gers zu übernachten. Die darin wohnende Familie hat nichts dagegen und lädt uns sogar in ihr Zuhause ein. In der Hütte leben ein Ehepaar, drei Kinder und ein Baby. Später treffen noch zwei junge Burschen ein, vermutlich wohnen auch sie hier. Die Familienmitglieder sitzen am Boden, wir bekommen kleine Plastiksessel abgeboten. In der Mitte der Jurte steht ein Kohleofen, auf dem ein großer Topf mit köchelnder Suppe fürs Abendessen der Familie bereitsteht. Hinter uns wurden die Schlafmatten der Familienmitglieder feinsäuberlich gestapelt, um am Tag mehr Platz zu haben, daneben steht ein Gitterbett. Auch ein paar kleine Regale stehen herum, auf einem befindet sich sogar ein winziger Fernseher.
Wir bekommen selbstgemachten Käse angeboten und schenken den Kindern Süßigkeiten, die wir aus Ulaanbaatar mitgebracht haben.

Als wir zu unserem Zeltplatz aufbrechen, werden wir von dem kleinen Mädchen der Familie und ihrem  Hund begleitet.

Hundiiii

***

Die kommenden Tage ähneln sich sehr in ihrem Ablauf. Wir brechen frühmorgens auf, fahren ein paar Stunden, bleiben plötzlich im Nichts stehen, um Snacks oder ein kleines selbstgekochtes Mittagessen einzunehmen, fahren wieder ein paar Stunden und kommen schließlich an unserem jeweiligen Ziel an. Wir wissen im Vorhinein nie, was uns am Ende der Autofahrt erwartet und sind jedes Mal wieder überwältigt von der Schönheit und landschaftlichen Vielfalt der Wüste.

YOGAAAA!

Wenn es warm genug ist, schlafen wir in unserem Zelt, ansonsten in einem Ger einer nomadischen Familie. Boldo übernachtet stets in seinem Auto.
Menschen sehen wir kaum. In der Nacht herrscht absolute Stille.

Boldos Reservezelt, das wir als „Kochzelt“ verwenden, wenn es sehr windig ist
Campingspass
Campingspaß

***

Am dritten Tag schlägt Boldo vor, in eine kleine Stadt mitten in der Wüste zu fahren, um dort in einer öffentlichen Badeanstalt zu duschen. Wir sind etwas überrascht von dieser unerwarteten Gelegenheit, da wir eher mit zehn Tage Katzenwäsche gerechnet haben, und fühlen uns auch noch gar nicht sooo schmutzig (nach unserem Reitabenteuer sind wir anderes gewohnt…), nehmen das Angebot aber trotzdem gerne an. Wer weiß, ob und wann sich wieder so eine Gelegenheit bietet – außerdem versichert uns Boldo, dass die Duschen sauber sind, denn sonst würde er dort niemals hingehen. Und so ist es dann zum Glück auch.

Frisch geduscht erreichen wir am späten Nachmittag Yoliin Am (die sogenannen „Schluchten der Bartgeier“). Die Wanderung durch die Schluchten gleicht einem Hindernisparcours: man muss immer wieder den sich entlangschlängelnden Fluss überqueren, und der Weg wird irgendwann so schmal, dass man ihn nur einzeln passieren kann. Manchmal muss man auch an Felswänden entlangklettern oder über kleine holprige Holzbrücken gehen. Es macht Spaß und der Weg gestaltet sich sehr abwechslungsreich, mit einer beeindruckenden Umgebung. Da die Schluchten so eng, tief und zum Teil sehr schattig sind, findet man hier sogar einige Stellen am Boden, auf denen Eis liegt. Und wenn man Glück hat, kann man beim Wandern die dort lebenden Bart- und Lämmergeier zu Gesicht bekommen.

Yoliin Am

***

Am nächsten Tag erwartet uns ein ganz besonderes Highlight: Kamelreiten in den Sanddünen! Ich finde dabei heraus, dass ich tausendmal lieber auf dem Rücken eines gemütlichen, lustig hin-und herwackelden Kamels sitze, als auf einem mongolischen Pferd, das nie das macht, was ich von ihm will. Jakob kann sich mit dem Gewackel und dem langsamen Vorankommen noch nicht so recht anfreunden…

Wir übernachten bei einer Familie mit einer riesigen Kamelherde direkt am Rande der Sanddünen, und als Draufgabe gibt es hier sogar einen Duschcontainer (die Dusche entpuppt sich zwar eher als kaltes Rinnsal…aber immerhin!).

Kamelreiten
Kamele beim Rasten
Dünenspaß
So schön!

***

Am Morgen darauf müssen wir sehr früh aufstehen, um noch vor der größten Hitze unseren nächsten Stopp zu erreichen: die „Flaming Cliffs of Bayanzag“.
Hier wurden vor langer Zeit durch Zufall Dinosaurierfossilien und -knochen gefunden. Man kann sich auf dem gesamten Gelände frei bewegen, herumklettern, fotografieren und die Gegend bestaunen. Wir sehen hier sogar ein paar (wenn auch wenige) andere Touristinnen und Touristen.

Flaming Cliffs of Bayanzag
Dinosaurierknochenüberreste
unendliche Hitze….und endlich wieder beim Auto mit Vorfreude auf die Klimaanlage

***

Am nächsten Morgen wache ich in unserem Zelt auf. Ich bin durstig, aber das Wasser steht draußen. Also überwinde ich mich und kämpfe mich aus meinem Schlafsack, ziehe mir ein paar Schichten Kleidung an, um gegen die frühmorgendliche Gobi-Kälte gewappnet zu sein und taumle aus dem Zelt. Schlaftrunken greife ich nach der erstbesten Wasserflasche. Dass sie kein Etikett hat, bemerke ich nicht. Plötzlich wird mir mein Fehler schmerzlich bewusst: Ich habe von unserem “Abwaschwasser“ getrunken! Jakob erwacht von meinem Fluchen und rädt mir, einen großen Schluck Vodka zu trinken. Der Alkohol war eigentlich als Gastgeschenk für eine nomadische Familie gedacht (Vodka ist hier als Geschenk sehr beliebt). Aber aus Angst vor potentiellen (Durchfall-) Keimen nehme ich – um 7 Uhr früh auf leeren Magen – brav einen großen Schluck. Und zur Sicherheit noch einen zweiten. Der Vodka brennt in meinem Hals und ich rede mir ein, dass er alles in meinem Magen abtötet, was mir schaden könnte. Aber ganz beruhigt bin ich noch nicht. Ich krame unsere Medikamentenvorräte hervor und beschließe, noch eine Antibiotikum-Tablette einzunehmen. Sicher ist sicher.

Und so sitzte ich frühmorgens leicht beduselt vor unserem Zelt in der Wüste und hoffe, dass ich von einer Darmexplosion verschont bleibe. Aber dafür bekommen wir Besuch von einem Igel!

Ort des Geschehens
Igelbesuch

Später an diesem Tag besichtigen wir die Ruinen einer buddhistischen Klosteranlage (Ongi Monastery).

Nach einigen Stunden Weiterfahrt bleiben wir bei einer nomadischen Familie stehen, die uns ein Ger zum Übernachten anbietet. Die gastfreundlichen Menschen laden uns in ihr Zuhause ein (sie dürften vergleichsweise reich sein, da sie ein Ger zum Wohnen und eines zum Schlafen besitzen, außerdem haben sie gleich mehrere Tourist*innen-Gers). Am Abend hilft Jakob dabei, die Ziegen zum Melken einzufangen und festzubinden.

zum Melken werden die Ziegen eng aneinander festgebunden

***

Unser nächstes Ziel ist eine alte Stadt namens Karakorum („schwarze Berge“). Dabei handelt es sich um eine Ruinenstätte der früheren Hauptstadt des Mongolischen Reiches zu Zeiten Dschingis Khans. Wir finden die Ruinen jedoch nicht besonders interessant und verlassen diesen Ort, an dem wir sehr viele andere Tourist*innen sehen, schnell wieder.

***

Bei der letzten Station unserer Tour, Elsen Tasarkhai („Sandbruch“), kann man durch Sanddünen inmitten einer Berglandschaft wandern. Hier trennen wir uns erstmals von Boldo, und machen uns mit unserem Zelt und Campingkocher alleine auf den Weg. Zu Beginn kommen wir noch an ein paar wenigen Einheimischen und anderen Reisenden vorbei, aber schnell verlieren wir sie aus unserem Blickfeld. Aus Sand wird Steppe, immer mit einer phantastischen Berglandschaft im Hintergrund. Zum ersten Mal seit Beginn unserer Wüstentour sind wir wirklich ganz alleine. Aus sehr weiter Ferne sind ein paar Gers und eine Ziegenherde zu erkennen. Sonst nichts. Wir genießen die Stille um uns herum. Kurz bevor es dunkel wird, schlagen wir unser Zelt auf und kochen unser Abendessen. Früh gehen wir schlafen.

Auf gehts!
Wandern
Wandern
unser Zelt
unser Zelt
ganz alleine

❤

Zaehneputzen bei Sonnenuntergang
Zähneputzen bei Sonnenuntergang

Am nächsten Morgen wandern wir zurück zu unserem Ausgangspunkt, wo wir schon von Boldo erwartet werden. Erschöpft und zufrieden machen wir uns nun wieder auf den Weg zurück nach Ulaanbaatar. Dort angekommen, genießen wir ein paar Tage den Luxus einer festen Unterkunft mit Dusche und Bett, bevor wir uns wieder in einen Nachtzug begeben. Unser nächstes Ziel: das Land der Mitte.

Eine Antwort auf „Mongolei: Wüste Gobi“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code